Mein Name ist Jonneke Koekhoven, und ich arbeite seit 14 Jahren mit Kindern und Jugendlichen mit Autismus. Mit meinem Unternehmen KOEKIE biete ich auf symptomen-autisme.nl Einzelbegleitung an und berate Eltern online und in Kursen. Neue Produkte, die Kinder mit Autismus unterstützen können, finde ich immer sehr interessant, und ich probiere sie gern in meinen Sitzungen aus. In diesem Blog gebe ich meine Meinung und Tipps zu drei Kartenspielen, die Sie mit Kindern mit Autismus einsetzen können.
Spielerisch lernen – wie funktioniert das?
Kartenspiele mit einem pädagogischen Ziel sind sehr beliebt. Das ist nicht verwunderlich. Wenn Kinder spielen, sind sie offener für das Lernen. Spiele können einem Kind helfen, sich zu entspannen. Sie helfen Ihnen, eine Verbindung zum Kind aufzubauen, und sie machen die gemeinsame Zeit angenehm.
Therapie oder Training kann sich für Kinder mit Autismus manchmal angespannt anfühlen. Ein Spiel kann diese Anspannung verringern. Hinzu kommt, dass der visuelle Charakter von Spielen gut zum Gehirn von Kindern passt, ob mit oder ohne Autismus. Sie speichern Informationen besser. Sie können das Gelernte schneller in neuen Situationen anwenden. Und ihre Konzentration bleibt beim Lernen höher.
Spiele, die Kindern helfen, etwas über sich selbst zu lernen, lassen sich in Begleitsitzungen, in der Therapie, im Coaching und im Klassenzimmer einsetzen. Auch Eltern und Betreuungspersonen können sie zu Hause nutzen.
Spiel eins: Okidootjes Resilience
Wie sieht es aus?
Okidootjes Resilience wird in einer kleinen Kartenschachtel geliefert. Auf der Vorderseite schaut ein Kätzchen in den Spiegel und sieht einen Löwen. Das fasst gut zusammen, worum es bei diesen Karten geht: Selbstvertrauen, positives Denken und Dinge anpacken.
Es gibt 51 Coachingkarten. Auf jeder steht ein starker Gedanke, darunter eine bestimmte Eigenschaft der Resilienz und ein lustiges Bild eines Tieres. Die Bilder passen gut zum Gedanken. Sie machen ihn verständlicher und verleihen den Karten ein fröhliches Aussehen. In der Schachtel befinden sich außerdem einige Karten mit Erklärungen, Tipps und Ideen zur Verwendung des Spiels.
Alle Karten haben etwas mit der Resilienz des Kindes zu tun. Resilienz ist die Fähigkeit, in bestimmten Momenten flexibel zu reagieren und positiv mit sich selbst zu sprechen. Eine starke innere Stimme gibt Ihnen mehr Widerstandskraft, um in schwierigen Situationen den Kopf über Wasser zu halten.
Wie und wann setzen Sie dieses Spiel bei einem Kind mit Autismus ein?
Es gibt viele Möglichkeiten, dieses Spiel einzusetzen. Erkennen Sie Folgendes bei Ihrem Kind oder Ihrer Schülerin bzw. Ihrem Schüler wieder? Dann können diese Karten eine gute Hilfe sein.
- Ist das Kind unsicher oder angespannt wegen einer bevorstehenden Situation?
- Hat das Kind häufig negative Gedanken?
- Hat das Kind ein statisches Selbstbild (Fixed Mindset) und das Gefühl, keinen Einfluss auf die eigenen Ergebnisse zu haben?
- Hat das Kind mit einer großen Veränderung im Leben zu kämpfen, etwa einer neuen Schule, einem Todesfall in der Familie, einem Umzug oder einer neuen Klasse?
- Fallen dem Kind soziale Situationen schwer, und zieht es sich in solchen Momenten zurück?
- Fällt es dem Kind oft schwer, Entscheidungen zu treffen, und bleibt es unsicher, ob die Entscheidung richtig war?
- Denkt das Kind oft eher in Problemen als in Lösungen?
Eine der Karten in der Schachtel erklärt diese fünf Spielvarianten.
- Okidootje des Tages oder der Woche: Stärke deine Resilienz mit den Okidootjes in alltäglichen Situationen.
- Tipp-Topp-Spiel: Entdecke und lerne spielerisch, wie du dich selbst und andere mit einem positiven Blick betrachten kannst.
- Meine Top drei: Lerne spielerisch und entdecke, wie du dich selbst mit einem positiven Blick betrachten kannst.
- Sechs in einer Reihe, sechs Tipps für dich selbst: Entdecke, welche Eigenschaften der Resilienz du schon hast und welche du noch brauchst.
- Top! Komplimentspiel: Entdecke und lerne spielerisch, wie man ein bedeutungsvolles Kompliment macht.
Sie können die Karten auch auf folgende Weise einsetzen.
- Als Kompliment nach einer Sitzung. Geben Sie als Coach dem Kind eine Karte mit nach Hause, um zu zeigen, worauf Sie stolz sind.
- Als Ziel für ein Kind. Wählen Sie gemeinsam mit dem Kind eine Karte aus. Das Kind nutzt sie dann als Ziel für die kommende Zeit.
- Als Hilfsmittel in der Psychoedukation. Zeigen Sie mit den Karten, was das Kind schon gut kann und welche Herausforderungen es noch hat.
Als ich dieses Spiel bekam, lag ein Code bei, mit dem man auch die Online-Version herunterladen konnte. Das ist ein schönes Extra. Es handelt sich um eine Übersicht mit allen Okidootjes auf einer Seite. Sie könnten das Kind die Okidootjes ausschneiden und in sein Psychoedukations- oder Therapieheft kleben lassen. So kann das Kind jederzeit darauf zurückblicken. Nach einiger Zeit können Sie auch gemeinsam reflektieren, ob sich etwas verändert hat.
Spiel zwei: Was fühlst du? Was denkst du?
Wie sieht es aus?
Die Schachtel von Was fühlst du? Was denkst du? ist quadratisch, acht mal acht Zentimeter groß. Sie enthält 55 Gefühlskarten in drei Farben. Sowohl die Vorder- als auch die Rückseite haben ein Bild und einen Text. Die Bilder sind grüne und rote Smileys, die jeweils ein Gefühl zeigen.
Die Karten wirken ruhig. Es gibt keine unnötigen Informationen und keine zusätzlichen Bilder. Das macht es zu einem angenehmen Spiel für Kinder mit Autismus, die empfindlich auf Reize und Ablenkung reagieren. In der Schachtel befindet sich außerdem eine Anleitung mit mehreren Tipps.
- Dunkelgrüne Karten: komplizierte Gefühle.
- Hellgrüne Karten: angenehme Gefühle.
- Rote Karten: unangenehme Gefühle.
- Vorderseite: das Gefühl in Worten, mit einem Gesichtsausdruck.
- Rückseite: das Gefühl in Worten, mit einem Gesichtsausdruck und einem Gedanken.
Wie und wann setzen Sie dieses Spiel bei einem Kind mit Autismus ein?
Kindern mit Autismus kann es schwerfallen, Gefühle zu erkennen und zu verstehen. Sowohl die eigenen Gefühle als auch die Gefühle anderer sind oft kompliziert. Sie erfordern viel Übung, Wiederholung und Erfahrung.
Neben den vier Grundgefühlen, die in so vielen Trainings, Videos, Büchern und Spielen vorkommen, gibt es natürlich Dutzende weitere. Kinder mit Autismus können sehr verwirrt sein, wenn sie Gefühle nicht verstehen. Meistens liegt das daran, dass sie den Kontext nicht oder nur teilweise mit einem Gefühl verknüpfen. Ein Gedanke ist Teil des Kontexts einer Situation und beeinflusst ebenfalls die Gefühle.
Ein Tipp für den Einsatz dieser Karten und für das Üben von Gefühlen im Allgemeinen: Trainieren Sie ein Kind nie nur auf Gefühle und die dazugehörigen Gesichtsausdrücke. So lernt ein Kind nicht, das Gefühl mit einer Situation zu verknüpfen. Drehen Sie es um. Beschreiben Sie eine Situation und bitten Sie das Kind, ein Gefühl damit zu verknüpfen. „Wie fühlt sich dieses Kind jetzt wohl?“ „Wie würdest du dich fühlen, wenn …?“
Erkennen Sie Folgendes bei einem Kind wieder? Dann können diese Karten eine gute Ergänzung zu Ihrer Begleitung sein.
- Das Kind hat Schwierigkeiten, Gefühle zu regulieren, und hat Wutausbrüche.
- Dem Kind fällt es schwer, Gefühle mit einer Situation zu verknüpfen, und es lässt sich leicht von den Gefühlen anderer aus der Bahn werfen.
- Das Kind ist hochsensibel, empfindet viele verschiedene Gefühle und nimmt die Gefühle anderer auf.
- Das Kind verhält sich deutlich jünger, als es seinem Alter entspricht. Diese Kinder profitieren oft von zusätzlicher Aufmerksamkeit für verschiedene Gefühle. Hier werden sie häufig überschätzt, und das bringt sie in schwierige, verwirrende Situationen.
Spiel drei: So sehe ich mich! Autismus
Wie sieht es aus?
Die Karten von So sehe ich mich! Autismus werden in einer stabilen, doppelten orangefarbenen Schachtel mit einem Bild auf der Vorderseite geliefert. Darin befinden sich 50 doppelseitige Aussagekarten, sechs Situationskarten, acht Skalenfragekarten und fünf Informationskarten.
Die Karten haben unterschiedlich farbige Hintergründe. Jede zeigt ein kleines Bild eines Gesichts und eine Sprechblase mit der Aussage darin. In der Schachtel befindet sich außerdem eine Erklärung mit mehreren Spielvarianten. Die Karten gehören zu den Büchern Ich und Autismus und Autismus in mir, funktionieren aber auch ohne die Bücher sehr gut.
Wie und wann setzen Sie dieses Spiel bei einem Kind mit Autismus ein?
Diese Karten wurden speziell für Kinder mit Autismus entwickelt, aber das Wort Autismus selbst kommt auf ihnen nicht vor. Sie können sie also sowohl bei Kindern einsetzen, die schon viel über Autismus wissen, als auch bei Kindern, die gerade erst mit der Psychoedukation beginnen.
Die Karten können eine positive Wirkung auf Kinder haben, denen es schwerfällt, über sich selbst zu sprechen. Da die Karten ihnen Beispiele geben, können sie leichter sagen, wie sie sich fühlen, was sie über bestimmte Dinge denken und warum sie auf eine bestimmte Weise reagieren.
Es gibt mehrere Spielvarianten, ob Sie nun Elternteil, Lehrkraft, Therapeutin bzw. Therapeut oder Begleitperson sind.
- Erstellen Sie gemeinsam eine Mindmap über das Kind. Schreiben Sie den Namen des Kindes auf ein Blatt Papier und wählen Sie gemeinsam eine Reihe von Karten aus, die zum Kind passen. Sprechen Sie über die Aussage auf jeder Karte.
- Sprechen Sie gemeinsam über eine Situation, die an diesem Tag passiert ist. Suchen Sie dann einige Aussagen, die zu dieser Situation passen. Wie hat das Kind reagiert, und mit welcher Charaktereigenschaft lässt sich das verknüpfen? Hat die Reaktion etwas mit dem Autismus des Kindes zu tun oder nicht?
- Lassen Sie das Kind eine Aussage wählen, die seiner Meinung nach zu Ihnen als Elternteil oder Begleitperson passt. Lassen Sie das Kind erklären, warum es diese Karte gewählt hat. Tauschen Sie dann die Rollen und erklären Sie dem Kind, warum Ihrer Meinung nach eine bestimmte Aussage zu ihm passt.
- Mit den Skalenfragekarten können Sie Kinder zeigen lassen, wo sie sich auf der Skala befinden. Inwieweit trifft eine bestimmte Aussage auf das Kind zu? Dies ist eine anspruchsvollere Spielvariante. Sie ist eher für ältere Kinder gedacht und für Kinder, die schon öfter über sich selbst gesprochen haben und sich gut kennen.
Ein schönes Extra: Sie können mit einem Whiteboard-Marker auf diese Karten schreiben, um Notizen zu machen oder Dinge abzuhaken. Das macht das Spiel persönlicher und interaktiver. Danach können Sie die Karten wieder sauber wischen. In der Schachtel befinden sich außerdem Blankokarten, die Sie genau dafür verwenden können.
KOEKIEs Fazit zu den Spielen
Ich bin ein großer Fan davon, solche Spiele und Karten in meinen Sitzungen einzusetzen. Am meisten gefällt mir, dass man eine Anleitung hat, die Karten aber trotzdem sehr flexibel einsetzen kann. Für jedes Kind können Sie schauen, welche Spielvariante zu ihm passt und auf welchem Niveau.
Außerdem halte ich Spiel und Entspannung in Begleitsitzungen für unverzichtbar. Erst wenn sich ein Kind entspannen kann, öffnet es sich für Gespräche, Lernen und Reflexion. Solche Spiele eignen sich perfekt, um diese beiden Ziele miteinander zu verbinden.
Während der Spiele fotografiere ich oft die Karten, die die Kinder auswählen. Nach einiger Zeit zeige ich sie ihnen erneut. So können wir sehen, wie das Kind gewachsen ist und sich entwickelt hat, und das stärkt seine Selbstreflexion und sein Selbstvertrauen.
Ich empfehle allen Eltern, Lehrkräften, Therapeutinnen und Therapeuten sowie Begleitpersonen, nach einem passenden Spiel zu suchen, wenn eine Situation mit einem Kind herausfordernd oder schwierig ist. Neben den drei Spielen, die ich hier besprochen habe, gibt es natürlich noch viele weitere Kartenspiele, zum Beispiel:
- Feel Good Game
- Compliment Game
- Helping Thoughts
- Junior Coach Cards
- Kwaliteitenspel Plus
- Praatplaatjes
- Adolescent Coach Cards
- Mirror Yourself Game
Das Feel Good Game, das Compliment Game, Helping Thoughts, die Junior Coach Cards, die Adolescent Coach Cards und das Mirror Yourself Game sind auch in der Autishop-Kategorie Spiele erhältlich. Viel Freude beim Lernen mit all diesen interessanten Kartenspielen für Kinder!
Dieser Gastbeitrag von Jonneke Koekhoven (KOEKIE) wurde am 7. Oktober 2020 erstmals auf Niederländisch auf autishop.nl veröffentlicht.